MyFax ist das freundliche, entschlackte Gesicht eines Unternehmens, das viele längst kennen, ohne den Namen zuordnen zu können. Der Dienst läuft auf demselben Zustellnetz wie eFax, gehört demselben Mutterkonzern — Consensus Cloud Solutions — und verlangt dafür einen Bruchteil des Geldes, solange man nicht viel faxt. Genau darin liegt die ganze Geschichte: Sie geben Compliance-Papierkram, Entwicklerwerkzeuge und großzügige Seitenkontingente auf und bekommen im Gegenzug einen Dienst, den auch eine technisch unbedarfte Person in einer Kaffeepause einrichtet und danach vergisst.
Das Fazit in einem Satz: Für einen Haushalt oder ein kleines Homeoffice, das ab und zu ein unterschriebenes Formular sendet und eine Handvoll Seiten empfängt, ist der Home-Office-Tarif für 8,25 Dollar im Monat eine faire, unaufgeregte Wahl — in unserer Wertung reicht das für 4,3 von 5 Punkten. Sobald Sie diese erste Stufe verlassen, ergibt die Preislogik allerdings kaum noch Sinn. Dann zahlen Sie eFax-nahe Tarife für Kontingente, die günstigere Wettbewerber gleich doppelt und dreifach ausschütten.
Ein Hinweis vorweg, der für deutsche Leser über allem steht: MyFax vergibt Faxnummern nur in den USA, Kanada und Großbritannien. Eine deutsche Ortsvorwahl — 030, 089, 0221 — bekommen Sie hier nicht. Wer eine deutsche Faxnummer für Briefköpfe, Behördenkorrespondenz oder Mandantenpost braucht, kann an dieser Stelle bereits zu den Alternativen weiterspringen. Für alle anderen lohnt der genaue Blick.
Für wen sich MyFax eignet — und für wen nicht
Der ideale MyFax-Nutzer denkt kaum je über das Faxen nach. Ein Makler, der gelegentlich einen Kaufvertrag verschickt. Ein Freiberufler, der ein Versicherungsformular einreichen muss. Ein Berater, der eine seriöse Faxnummer auf der Visitenkarte braucht, aber in einem guten Monat vielleicht dreißig Seiten überträgt. Der Reiz ist für alle derselbe: kein Faxgerät, keine Telefonleitung, ein bekannter Name und eine Rechnung, klein genug zum Ignorieren.
Zwei Gruppen sollten ohne Zögern weiterziehen. Die erste ist das Gesundheitswesen und jeder, der mit sensiblen Personendaten hantiert. MyFax bietet in keinem Tarif HIPAA-Konformität oder einen unterschriebenen BAA — das ist ein US-Rahmen, aber die dahinterstehende Logik trifft deutsche Nutzer genauso: Es fehlt die vertragliche Zusicherung zur Datenverarbeitung, auf die sich eine Praxis oder Kanzlei berufen könnte. Die zweite Gruppe sind Entwickler und Operations-Teams. Es gibt keine MyFax-API — nichts, um ein Fax aus einem Praxisverwaltungssystem, einem CRM oder einem Versandprozess heraus auszulösen. Wer Automatisierung sucht, steht bei MyFax von der ersten Seite an vor einer Wand.
Wichtig für den deutschen Kontext: Fax ist hierzulande in bestimmten Ecken hartnäckig — Steuerberater, Arztpraxen, Kammern, manche Behörden. Für die reine private Kommunikation mit solchen Stellen taugt MyFax technisch. Sobald aber personenbezogene Daten im Spiel sind, wird der fehlende Auftragsverarbeitungsvertrag zum Problem, und dazu weiter unten mehr.
Wer hinter MyFax steht
MyFax ist keine junge Marke und kein Start-up. Der Dienst gehört zu Consensus Cloud Solutions, demselben Konzern, der auch eFax und MetroFax betreibt. Praktisch heißt das: Faxe reisen über dieselbe Infrastruktur wie beim teuren großen Bruder eFax, nur ist das Produkt bewusst abgespeckt und der Preis niedriger angesetzt. Man kauft also gereifte, verlässliche Technik in einer schlichteren Verpackung.
Das erklärt einige Eigenheiten. MyFax fühlt sich solide an, wo es zählt — die Zustellung ist erprobt —, wirkt aber an der Oberfläche altbacken und wenig ambitioniert. Consensus investiert die Modernisierung offenkundig in eFax und die Enterprise-Sparte, nicht in die Endkundenmarke. Für Wenignutzer ist das kein Nachteil, im Gegenteil: Sie zahlen nicht für Funktionen, die sie nie anrühren.
Preise im Detail
MyFax staffelt drei Tarife, und die Preise verstehen sich in US-Dollar — wie bei praktisch allen Anbietern dieses Marktes rechnen Sie also in Fremdwährung ab, mit den üblichen Wechselkurs- und Auslandsentgelt-Aufschlägen Ihrer Kreditkarte.
Der Home Office-Tarif kostet 12 Dollar im Monat, im Jahresabo sinkt der Preis auf 8,25 Dollar pro Monat. Dafür bekommen Sie 100 gesendete und 100 empfangene Seiten. Der Small Business-Tarif liegt bei 25 Dollar monatlich beziehungsweise 20,83 Dollar im Jahresabo und bietet 300 Sende- plus 300 Empfangsseiten. Der Power User-Tarif schließlich verlangt 45 Dollar monatlich, im Jahresabo 37,50 Dollar, und umfasst 600 plus 600 Seiten. Jede zusätzliche Seite kostet in allen Tarifen 10 Cent, und eine Einrichtungsgebühr fällt nicht an.
Der entscheidende Punkt steckt in der Formulierung „100 plus 100” statt „200”. MyFax führt getrennte Kontingente fürs Senden und Empfangen. Das klingt nach Kleingedrucktem, hat aber handfeste Folgen: Ungenutzte Empfangsseiten decken niemals zusätzliche gesendete Seiten ab. Wer in einem Monat 130 Seiten sendet, aber nur 40 empfängt, zahlt für 30 Seiten Überschreitung nach — obwohl das Gesamtvolumen von 170 Seiten deutlich unter der Summe beider Kontingente liegt. Anbieter mit einem gemeinsamen Seiten-Pool, wie MetroFax oder Nextiva vFax, verzeihen solche Schieflagen. MyFax nicht.
| Tarif | Monatlich | Jährlich (pro Monat) | Inkl. Seiten | Zusatzseite | Hinweis |
|---|---|---|---|---|---|
| Home Office | 12 $ | 8,25 $ | 100 senden / 100 empfangen | 10 Cent | Getrennte Kontingente; Spam belastet die Empfangsseite |
| Small Business | 25 $ | 20,83 $ | 300 senden / 300 empfangen | 10 Cent | Kein gemeinsamer Pool |
| Power User | 45 $ | 37,50 $ | 600 senden / 600 empfangen | 10 Cent | eFax-nahe Preise, kleinere Kontingente |
Was es real kostet
Für einen echten Wenignutzer ist der Home-Office-Tarif ehrlich kalkuliert: 8,25 Dollar im Monat für eine eigene Nummer, eine App und die bewährte Consensus-Zustellung sind in Ordnung. Rechnen lässt sich das an den beiden oberen Tarifen aber kaum. Im Small-Business-Tarif zahlen Sie 20,83 Dollar für 600 Seiten insgesamt — MetroFax und Nextiva vFax liefern in derselben Preisregion das Doppelte bis Fünffache. Der Power-User-Tarif für 37,50 Dollar wirkt neben diesen Angeboten schlicht überteuert.
Dazu kommt die stillste Kostenfalle: Eingehende Werbefaxe zählen auf Ihr Empfangskontingent. Jedes unerwünschte Fax knabbert an den 100 Seiten, für die Sie bezahlt haben. Bei niedrigen Kontingenten summiert sich das schneller, als man denkt, und die günstige Konkurrenz hat dieses Ärgernis längst besser im Griff. Der Jahresrabatt gegenüber der Monatszahlung ist spürbar — beim Home-Office-Tarif rund 30 Prozent —, bindet Sie aber eben für zwölf Monate an einen Dienst, den Sie vorher nur 14 Tage getestet haben.
Funktionen und der tägliche Ablauf
MyFax deckt die Grundlagen ab und verzichtet bewusst auf alles darüber hinaus. Sie senden Faxe per E-Mail-zu-Fax — Anhang an eine Adresse aus Empfängernummer und MyFax-Domain schicken —, über das Webportal oder aus der Mobil-App heraus. Empfangene Faxe landen als PDF in Ihrem Postfach und in der App. Deckblätter, Sendebestätigungen und eine einfache Ablage der übertragenen Dokumente sind vorhanden. Das ist unspektakulär, aber genau das, was ein Gelegenheitsnutzer braucht.
Gängige Dateiformate wie PDF, Word und JPG werden unterstützt, sodass Sie ein Dokument nicht erst umwandeln müssen. Wer ein Papierdokument faxen will, fotografiert es mit der App-Kamera. Eine integrierte E-Signatur gibt es allerdings nicht — wollen Sie ein Formular vor dem Versand unterschreiben, erledigen Sie das in einem separaten Werkzeug. Anbieter wie iFax oder Documo haben das Signieren fest eingebaut; MyFax überlässt es Ihnen.
Beim Empfang lässt sich einstellen, an welche E-Mail-Adresse eingehende Faxe zugestellt werden — für einen Ein-Personen-Haushalt reicht das. Ein feineres Eingangs-Routing auf mehrere Nutzer oder Abteilungen, wie es Business-Anbieter kennen, sucht man vergebens; MyFax ist erkennbar auf den einzelnen Anwender zugeschnitten und nicht auf ein Team mit gemeinsamer Faxnummer. Wer mehrere Personen bedienen will, stößt hier früh an Grenzen und fährt mit einem echten Business-Produkt besser.
Apps
MyFax bietet Apps für iOS und Android sowie das Webportal — eine Desktop-Anwendung für Windows oder macOS fehlt. Für die meisten Zielnutzer ist das kein Verlust, weil E-Mail-zu-Fax ohnehin von jedem Rechner aus funktioniert. Wer eine dedizierte Desktop-Software erwartet, wie sie Fax.Plus oder CocoFax mitliefern, geht hier leer aus. Die Mobil-Apps erledigen ihren Zweck, spielen qualitativ aber nicht in der Liga von iFax, das sich das Prädikat der besten Apps der Kategorie verdient hat.
Sicherheit, Datenschutz und die DSGVO-Frage
Hier wird es für deutsche Leser ernst. MyFax verschlüsselt die Übertragung per TLS und stützt sich auf die Consensus-Cloud-Infrastruktur — technisch also ein solider, aber nicht herausragender Standard. Was fehlt, sind belastbare Zertifizierungen und, entscheidender, ein Vertrag zur Auftragsverarbeitung.
Für die DSGVO ist das der springende Punkt. Sobald Sie personenbezogene Daten Dritter per Fax übermitteln — Mandantendaten, Patienteninformationen, Bewerberunterlagen —, verarbeitet der Faxdienst diese Daten in Ihrem Auftrag. Die DSGVO verlangt dafür einen Auftragsverarbeitungsvertrag (AVV) mit dem Anbieter, und da MyFax die Daten über US-Infrastruktur führt, käme zusätzlich die Frage des Drittlandtransfers ins Spiel. MyFax adressiert nichts davon aktiv; es ist ein US-Produkt für den US-Markt. Für rein private Faxe ohne fremde Personendaten ist das unerheblich. Für jede berufliche Nutzung mit Personenbezug in Deutschland ist das Fehlen eines AVV ein hartes Ausschlusskriterium. HIPAA — das US-Gesundheitsgesetz — fehlt hier ebenfalls und wäre für deutsche Nutzer ohnehin die falsche Bezugsgröße; hierzulande zählt die DSGVO, und die ist nicht erfüllt.
Kurz gesagt: MyFax ist datenschutzrechtlich ein Werkzeug für den privaten Schreibtisch, nicht für die Kanzlei, die Praxis oder die Behörde. Wer in diesen Umfeldern arbeitet und die deutsche Rechtslage ernst nimmt, braucht einen Anbieter, der einen AVV unterzeichnet und idealerweise EU-Datenhaltung anbietet.
Eignung für deutsche Einsatzzwecke
Fassen wir die deutschen Fragen zusammen. Eine deutsche Faxnummer? Nein — nur US, Kanada und Großbritannien. DSGVO-konform für berufliche Nutzung? Nein, kein AVV, US-Datenhaltung. Behörden, Kanzleien, Steuerberater, Arztpraxen? Für den Empfang von Faxen dieser Stellen im Privatgebrauch technisch nutzbar, für die berufliche Verarbeitung ihrer Daten ungeeignet. Damit scheidet MyFax für den professionellen deutschen Einsatz weitgehend aus.
Bleibt der private Anwender, der eine funktionierende Faxlösung ohne Gerät sucht und dem eine ausländische Nummer nichts ausmacht — etwa, weil er ohnehin überwiegend Faxe empfängt oder international kommuniziert. Für dieses schmale, aber reale Segment ist MyFax brauchbar. Für alle anderen deutschen Szenarien führt der Weg zu spezialisierteren Diensten.
Support und Bedienung
Support gibt es per Telefon, E-Mail und Chat. Die Bedienung ist die eigentliche Stärke des Produkts: MyFax setzt niemanden vor Hürden, die eine Einweisung erfordern würden. Konto anlegen, Nummer wählen, Anhang senden — fertig. Diese Schlichtheit ist ausdrücklich das Verkaufsargument, und sie funktioniert. Wer sich an technischer Politur stört, muss allerdings damit leben, dass Oberfläche und App den Stand vergangener Jahre atmen.
Alternativen und Vergleich
Wenn MyFax an einer Ihrer Anforderungen scheitert, gibt es drei naheliegende Auswege.
Brauchen Sie eine deutsche Faxnummer oder DSGVO-taugliche Rahmenbedingungen, führt kaum ein Weg an Fax.Plus vorbei. Der Schweizer Anbieter vergibt Ortsnummern in Deutschland und rund 190 weiteren Ländern, ist ISO-27001- und SOC-2-zertifiziert und legt DSGVO-Unterlagen vor — genau das, was MyFax fehlt. Der Einstieg ist mit einem dauerhaft kostenlosen Test-Tarif zudem risikofrei.
Geht es Ihnen um den besten Seitenpreis bei stetigem Volumen, ist MetroFax — bemerkenswerterweise ein Schwesterprodukt aus demselben Consensus-Haus — der rationalere Kauf: gleiche Konzernwurzel, aber ein gemeinsamer Seiten-Pool und deutlich mehr Seiten fürs Geld. Auch Nextiva vFax gehört in diese Rechnung, mit Zusatzseiten für nur 3 Cent und der Kulanz, fehlgeschlagene Faxe nicht aufs Kontingent zu buchen.
Und wenn Sie Personendaten verarbeiten und einen unterschriebenen Vertrag brauchen, sind Documo oder iFax die seriösen Adressen — beide mit BAA und den Compliance-Zusicherungen, die MyFax grundsätzlich nicht bietet. Für den reinen Einzelfax ohne Abo lohnt schließlich ein Blick auf Dropbox Fax mit seiner Pay-per-Fax-Option.
Wo genau Ihr Volumen die Grenze zieht, rechnen Sie am schnellsten mit unserem Faxkosten-Rechner aus. Eine Gesamtübersicht bieten der Anbietervergleich und die Preisübersicht. Wer noch grundsätzlich überlegt, ob sich Online-Fax überhaupt lohnt, findet in unseren Ratgebern Was kostet Online-Fax? und Faxen ohne Faxgerät die Einordnung.
Fazit
MyFax macht eine Sache gut und macht keinen Hehl daraus, dass es nur diese eine Sache gut macht. Als schlichter, verlässlicher Faxdienst für den Privatgebrauch — bekannter Name, bewährte Technik, kleine Rechnung — ist der Home-Office-Tarif für 8,25 Dollar im Monat ein faires Angebot, und die 14-tägige Testphase erlaubt, das gefahrlos auszuprobieren. Genau dort liegt die Stärke: geringe Erwartung, geringe Reibung, geringer Preis.
Die Schwächen sind ebenso klar. Die getrennten Sende- und Empfangskontingente sind eine unnötige Einschränkung, eingehender Spam frisst bezahlte Seiten, und jenseits des Einstiegstarifs verlangt MyFax Preise, die im Wettbewerb nicht zu rechtfertigen sind. Für deutsche Berufsnutzer kommen die harten Ausschlusskriterien hinzu: keine deutsche Nummer, kein AVV, keine DSGVO-Absicherung für fremde Personendaten. Wer eine dieser Anforderungen hat, ist bei Fax.Plus, MetroFax oder Documo grundsätzlich besser aufgehoben.
Die Empfehlung fällt entsprechend eng aus: MyFax ist eine gute Wahl für den einzelnen, technisch anspruchslosen Privatnutzer, dem eine US- oder UK-Nummer genügt und der wirklich nur selten faxt. Für jeden anderen — und für praktisch jede professionelle Nutzung in Deutschland — gibt es die klügeren Optionen an anderer Stelle.